Statin-Unverträglichkeit

Statine sind 3-Hydroxy-3-Methylglutaryl-Coenzym-A (HMG-CoA)-Reduktasehemmer, sie gehören zu den am besten untersuchten Medikamenten. Wirksamkeit und Sicherheit der Therapie sind unumstritten. Statine werden daher in Leitlinien zur kardiovaskulären Vorbeugung empfohlen. Allerdings gibt etwa 1/3 der langfristig Behandelten Schwierigkeiten mit einer regelmäßigen Einnahme an. Die Verbesserung der Einnahmetreue von Statinen korreliert eng mit der kardiovasculären Morbidität und Mortalität und ist deswegen ein wichtiges Ziel der ärztlichen Versorgung. In Studien hat sich gezeigt, dass immerhin 5% der Statin-behandelten Patienten Statin-assoziierte Muskelsymptome (SAMS) aufweisen.

Die verminderte Verträglichkeit der Statine wird vor allem von der Sequenzvariante c.521>C (p.V174A) im SLCO1B1-Gen hervorgerufen. Inzwischen sind auch andere Varianten mit dieser Wirkung bekannt. SLCO1B1 kodiert für ein Protein, das an der Aufnahme von Statinen aus dem sinusoidalen Blut in die Leber beteiligt ist. Die pathogenen Mutationen führen u.a. zu einem Anstieg der Statin-Konzentration im Blut. Erst ab einer Tagesdosis von >20mg macht sich der Defekt bemerkbar.

Der Einfluss der oben erwähnten C-Variante auf die Verträglichkeit dieser Medikamentengruppe ist nicht gleich bei den verschiedenen Statin-Präparaten. Er nimmt ab in der Reihenfolge Simvastatin – Atorvastin – Pravastatin – Rosuvastatin – Fluvastatin.

Genetik

Heterozygote Träger des C-Allels haben ein 4,5fach erhöhtes Risiko für eine Myopatie, Homozygote ein 16,9fach erhöhtes Risiko. In der europäischen Bevölkerung ist die Allelfrequenz der C-Variante ca. 0,15.

 Indikation

Erhöhtes Risiko für SAMS unter Statin-Behandlung (Hypothyreose, Myopathien, SAMS bei Angehörigen, hohe muskuläre Beanspruchung. Dokumentation einer Statin-Unverträglichkeit bei der Evaluation einere Aperese-Indikation

Diagnostik

Per DNA-Sequenzierung wird auf das Vorliegen der c.521>C (p.V174A)-Mutation im SLCO1B1-Gen untersucht.