Azoospermiefaktor

AZF – Azoospermiefaktor

Hintergrund
Nach dem Klinefelter-Syndrom sind Mikrodeletionen auf dem Y-Chromosom die
zweithäufigste Ursache für eine verminderte Fertilität eines ansonsten gesunden Mannes-
sie führen zu einer gestörten Spermatogenese. Je nach vorhandener Spermienzahl und
somit Schweregrad der Störung unterscheidet man zwischen Oligo- und Azoospermie. Für etwa 5% dieser Fälle wird eine Deletion auf dem Y-Chromosom vermutet. Die genaue Analyse einer Deletion im AZF-Bereich kann bei der Wahl eines Therapieansatzes von großer Bedeutung sein. So ist eine testikuläre Spermienextraktion (TESE) bei Deletionen in den Abschnitten AZFa bzw. AZFb nicht erfolgversprechend, da sie immer zu einer Azoospermie fü hren. Demgegenüber ist das Krankheitsbild bei einer AZFc-Deletion heterogener, da hier das klinische Bild von einer schweren Oligospermie bis hin zu einer Azoospermie reicht. Das bedeutet, dass bei etwa 50% der Männer Spermien im Rahmen einer Hodenbiopsie mit einer TESE gefunden werden.

Indikation

Infertile Männer mit nicht-obstruktiver, idiopathischer Azoospermie, schwerer
Oligozoospermie, Kryptospermie, Sertoli Cell Only-Syndrom oder
Oligoasthenoteratozoospermie-Syndrom

Genetik

Diese Mikrodeletionen liegen bei 0,6-1% aller infertilen Männer vor. Bei Betroffenen mit einer
nicht-obstruktiven Azoospermie oder einer schweren Oligozoospermie wird, nimmt man bei 8-13% als Usrache den Verlust des Azoospermiefaktors an. Die Regionen AZFa, AZFb und AZFc können von diesen Mikrodeletionen betroffen sein (AZFa: 3%: AZFb: 9%; AZFc: 79%; AZFbc: 6% und AFZabc: 3%). Eine solche Deletion kann zum Verlust von bis zu 26% der für die Spermatogenese wichtigen Gene führen. Dementsprechend variabel ist der klinische Phänotyp. Alle Söhne von Männern mit einer AZF-Deletion ererben diese Anomalie, während alle Töchter gesund sind.

Analytik

In zwei unabhängigen Ansätzen werden mittels Multiplex-PCR die drei relevanten DNA-
Abschnitte AZFa, AZFb und AZFc auf dem Y-Chromosom vervielfältigt. Das Vorliegen der
einzelnen Amplikons wird anhand einer Fragmentanalyse mittels Kapillarelektrophorese
untersucht.